Der World Mental Health Day am 10. Oktober 2025 nähert sich und es wird deutlich: Eine der größten Hürden für mentales Wohlbefinden von Beschäftigen ist weiterhin die Stigmatisierung psychischer Erkrankungen im Arbeitskontext. Trotz zahlreicher Initiativen und jahrelanger Sensibilisierungskampagnen bestätigt der aktuelle TELUS Mental Health Index (MHI), dass das Thema psychische Gesundheit noch immer von Vorurteilen und Zurückhaltung geprägt ist. Und das hat spürbare Auswirkungen auf Karrierewege, das Selbstbild sowie das allgemeine Wohlbefinden von Beschäftigten.
Der Fokus auf psychische Gesundheit im Oktober sollte daher über bloße Aufmerksamkeit für das Thema hinausgehen und konkrete Veränderungen anstoßen. Organisationen, die das Stigma rund um mentale Gesundheit am Arbeitsplatz aktiv abbauen, schaffen Raum für kulturelle Transformation und nachhaltiges Wohlbefinden ihrer Belegschaft.
Stigmatisierung psychischer Gesundheit am Arbeitsplatz weltweit
Unsere MHI-Analyse von mehr als 19.000 berufstätigen Erwachsenen in 12 Ländern zeigt: Obwohl sich Stigmatisierung rund um mentale Gesundheit am Arbeitsplatz je nach Kultur unterschiedlich äußert, gibt es gemeinsame Muster, die Beschäftigte weltweit betreffen. Von Nordamerika über Asien bis Europa lassen die Daten besorgniserregende Entwicklungen erkennen, die dringenden Handlungsbedarf signalisieren.
Ein zentrales Ergebnis: Die Mehrheit der Beschäftigten hat Bedenken, psychische Belastungen am Arbeitsplatz offenzulegen, aus Angst vor negativen Auswirkungen auf ihre Karriere. Besonders stark ausgeprägt sind diese Sorgen bei Arbeitnehmer:innen unter 40 Jahren. Das verdeutlicht, wie sehr sich Stigmatisierung auf Nachwuchstalente und die künftige Führungsebene auswirkt. Neben karrierebezogenen Ängsten neigen jüngere Mitarbeitende zudem eher dazu, sich selbst für ihre mentalen Herausforderungen abzuwerten, was zusätzliche Hürden bei der Suche nach Unterstützungsangeboten schafft.
All dies zeigt deutlich, wie prägend der Arbeitsplatzkontext ist, wie besonders jüngere Beschäftigte Stigma im beruflichen Umfeld wahrnehmen - möglicherweise anders als in anderen Lebensbereichen - und wie sehr diese Erfahrungen sie beeinflussen.
Statistik: Karrierebezogene Sorgen
Prozentsatz der Beschäftigten, die befürchten, dass die Offenlegung einer psychischen Erkrankung ihre beruflichen Aufstiegschancen beeinträchtigen könnte.
Statistik: Auswirkungen auf die Selbstwahrnehmung
Prozentsatz der Beschäftigten, die sich selbst abwerten würden, wenn sie eine psychische Erkrankung hätten.
Statistik: Wie Stigmatisierung jüngere Beschäftigte betrifft
Anstieg der Wahrscheinlichkeit, dass Beschäftigte unter 40 befürchten, die Offenlegung einer psychischen Erkrankung könnte ihre Karrierechancen beeinträchtigen – im Vergleich zu Beschäftigten über 50.
Haben wir seit 2021 Fortschritte gemacht?
Die ernüchternde Antwort lautet: nicht wirklich. Erkenntnisse aus Kanada, dem Vereinigten Königreich, den USA und Australien zeigen, dass sich die selbstbezogene Stigmatisierung rund um mentale Gesundheit seit 2021 kaum verbessert hat. In Kanada und Australien sind die Werte nahezu unverändert, im Vereinigten Königreich gibt es keinerlei Fortschritt und in den USA ist die Entwicklung trotz intensiver Aufklärungsbemühungen in Unternehmen und der Allgemeinbevölkerung in den vergangenen vier Jahren sogar rückläufig.
Die Learnings aus Kanada, den USA und dem Vereinigten Königreich:
Statistik: Veränderungen der Stigmatisierung von 2021 bis 2025
Prozentsatz der Beschäftigten, die sich selbst abwerten würden, wenn sie eine psychische Erkrankung hätten.
Unvorbereitete Führungskräfte: Die Trainingslücke
Das Problem geht über die Stigmatisierung unter Mitarbeitenden hinaus. Viele Führungskräfte geben an, nicht ausreichend darauf vorbereitet zu sein, Beschäftigte bei psychischen Herausforderungen zu unterstützen. Länderübergreifend räumen zahlreiche Manager:innen ein, dass ihnen das nötige Wissen und die Fähigkeiten fehlen, um angemessen zu reagieren, wenn mentale Belastungen in ihren Teams auftreten.
Statistik: Unterstützung in Krisensituationen
Prozentsatz der Führungskräfte, die wissen, wie sie Mitarbeitende mit psychischen Problemen unterstützen können.
Statistik: Unterstützung in Krisensituationen
Prozentsatz der Führungskräfte, die NICHT wissen, wie sie Mitarbeitende mit psychischen Problemen unterstützen können.
Statistik: Führungskräftetrainings
Prozentsatz der Führungskräfte, die angeben, dass ihr Unternehmen keine Trainings für Führungskräfte zur Unterstützung eines mental gesunden Arbeitsumfelds anbietet.
Mangelndes Bewusstsein für Programme zur mentalen Gesundheitsförderung
Zudem berichten viele Beschäftigte, dass die Kommunikation zu Gesundheitsangeboten ihres Unternehmens unklar oder inkonsistent ist. Diese Lücke zeigt, wie wichtig es ist, Kommunikationsstrategien zu überarbeiten, damit sowohl Mitarbeitende als auch Führungskräfte ein klares Verständnis der verfügbaren Ressourcen haben.
Statistik: Unzureichende Kommunikation
Prozentsatz der Beschäftigten, die von unklaren oder inkonsistenten Informationen zu Gesundheitsprogrammen berichten.
Statistik: Unzureichende Kommunikation
Prozentsatz der Beschäftigten, die angeben, dass sie Informationen zu Gesundheitsprogrammen selten oder nie erhalten.
Der Weg nach vorn: Strategische Lösungen für Arbeitgeber
Ob als Führungskraft oder Mitarbeiter:in: Jede und jeder hat die Möglichkeit, Stigmatisierung rund um mentale Gesundheit im eigenen Arbeitsumfeld aktiv entgegenzuwirken und daraus sogar einen Wettbewerbsvorteil zu ziehen. Jetzt ist der Moment für Veränderung. Sie beginnt bei uns selbst, in jedem Gespräch, jeder Entscheidung über Richtlinien und in jedem Augenblick, in dem wir Empathie über Vorurteile stellen.
Zentrale Verbesserungsbereiche zur Reduzierung von Stigmatisierung rund um mentale Gesundheit
Wirksame Trainings für Führungskräfte anbieten
Alle untersuchten Länder identifizierten Führungskräftetrainings als entscheidend. Wichtige Schwerpunkte:
- Schulungen zu mentaler Gesundheit und Früherkennung von Belastungen
- Kommunikationskompetenzen für sensible Gespräche
- Rechtliche und ethische Aspekte von Unterstützungsmaßnahmen
- Aufbau von psychologischer Sicherheit in Teams
Das große Ganze betrachten
Über individuelle Trainings hinaus erfordert systemischer Wandel:
- Politische Rahmenbedingungen: klare, unterstützende Richtlinien zu mentaler Gesundheit
- Vorbildfunktion der Führung: Führungskräfte, die offen über ihre eigenen Erfahrungen sprechen
- Ganzheitliche Benefits: umfassende Leistungen und Ressourcen zur mentalen Gesundheit
- Regelmäßige Evaluation: kontinuierliche Erhebungen zur psychischen Belastung im Unternehmen

Über den TELUS Mental Health Index
Der TELUS Mental Health Index liefert Einblicke in die mentale Gesundheit von 19.000 berufstätigen Erwachsenen und deren Entwicklung im Zeitverlauf.
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