Emilie Martin ist eine erfahrene Führungskraft mit umfassender Expertise in Change-Management, interkulturellem Management und der Entwicklung gesunder Arbeitsumgebungen. Heute ist sie Geschäftsführerin von TELUS Health in Deutschland.
In ihrer Rolle unterstützt sie Unternehmen und HR‑Verantwortliche dabei, inklusive und psychologisch sichere Arbeitsumgebungen durch das Anticipate‑, Empower‑, Respond‑Framework zu schaffen, indem sie präventive Erkenntnisse in Handlungen umsetzt und organisatorische Resilienz aufbaut.
Kannst du uns etwas über deinen Hintergrund und den Hauptfokus deiner Rolle bei TELUS Health erzählen?
Ich lebe derzeit in Paris mit meiner Familie. Aber ich hatte schon immer einen starken internationalen Fokus und habe mehr als 15 Jahre zwischen Deutschland und Frankreich gelebt. Das hat mir ein differenziertes Verständnis für interkulturelle Dynamiken und die unterschiedlichen Herangehensweisen an Arbeit und Privatleben in beiden Ländern gegeben.
Den frühen Teil meiner Karriere verbrachte ich in der internationalen Kommunikationsbranche, wo ich in der Projektentwicklung und -integration tätig war. Im Jahr 2020 habe ich einen Executive MBA absolviert, um meine Fähigkeiten in den Bereichen Führung, Organisationsentwicklung und strategisches Management gezielt zu erweitern.
Bei TELUS Health besteht meine Aufgabe darin sicherzustellen, dass das, was wir entwickeln, wirklich mit den Bedürfnissen unserer Kunden übereinstimmt. Es geht nicht nur darum zu sagen: „Wir sind im Bereich Gesundheit tätig.“ Es geht darum, die Sichtweise des Marktes auf ganzheitliche Gesundheit zu verändern und ihre Relevanz innerhalb von Unternehmenskulturen zu stärken.
Meine Arbeit dreht sich sehr stark um die Frage: Was können wir anbieten und was braucht der Markt tatsächlich? Was brauchen Mitarbeitende? Was braucht eine gesamte Belegschaft auf unterschiedlichen Ebenen? Mein MBA hilft mir hier sehr. In meinem Jahrgang waren über 27 Personen mit vielfältigen Hintergründen, die sich alle mit der Frage beschäftigt haben, wie zukünftige Führung aussehen könnte. In Kombination mit meiner internationalen Erfahrung habe ich viele Führungsmodelle kennengelernt. Jetzt entwickle ich ein Führungsmodell mit Fokus auf mentale Gesundheit, das zur heutigen Arbeitswelt passt. Das ist ebenfalls ein zentraler Teil meiner Rolle.
Wie würdest du deine Führungsphilosophie beschreiben, und wie gehst du an den Aufbau und die Führung deines Teams heran?
Ich sehe Führung eher als Coaching und weniger als Anweisung. Es geht nicht darum, Menschen zu sagen, was sie tun sollen, sondern darum, sie zu begleiten und zu unterstützen. Ich glaube fest an gesunde Führung, die eng mit psychologischer Sicherheit verbunden ist, etwas, das ich als essenziell betrachte, wenn es darum geht, dass Menschen wirklich aufblühen können. Wenn Menschen sich sicher fühlen, trauen sie sich, Neues auszuprobieren, anders zu denken und zu wachsen. Psychologische Sicherheit bedeutet auch, Raum für Fehler zu schaffen, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen und sicherzustellen, dass alle ihre Prioritäten und Verantwortlichkeiten verstehen.
Klare Erwartungen und ein gemeinsames Verständnis sind besonders in der heutigen, sich ständig verändernden Umgebung wichtig. Viele Unternehmen, und damit viele Führungskräfte, haben Schwierigkeiten, Prioritäten zu setzen, wenn sich alles unsicher anfühlt. Doch je instabiler das Umfeld wird, desto wichtiger ist es, Klarheit darüber zu schaffen, was wirklich zählt.
Gleichzeitig sind Empathie und Offenheit wichtig. Und Offenheit bedeutet auch, zu zeigen wer man ist und sich auch mal verletzlich zu zeigen. Authentisch und transparent zu sein schafft Verbindung und gibt anderen die Erlaubnis, ebenfalls ihr ganzes Selbst zur Arbeit mitzubringen.
Wofür brennst du besonders im Bereich Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz?
Ich brenne für die wachsende Aufmerksamkeit, die das Thema erhält, und die Veränderungen, die es in der Arbeitswelt anstößt. Wir erleben einen Generationenwechsel, und jüngere Generationen haben höhere, aber auch gesündere Erwartungen.
Viele Führungsteams heute sind älter – Mitte 40 oder 50 – und halten oft an überholten Vorstellungen von Arbeit und Leistung fest. Ihre Mitarbeitenden hingegen sind jünger und haben eine ganz andere Vorstellung von der Zukunft der Arbeit. Das schafft ein Paradox: Diejenigen, die die Arbeitswelt von heute gestalten, teilen oft nicht die gleichen Werte oder Erwartungen wie die Menschen, die sie anziehen und halten wollen.
Zum Beispiel: Ich gehöre zu den letzten Jahren der Generation X, geboren 1979. Meine Schwester ist sechs Jahre jünger und denkt bereits ganz anders über Arbeit, Führung und darüber, worauf sie bereit ist zu verzichten. Also, wessen Philosophie ist „richtig“? Meine oder ihre? Die Wahrheit ist: Meine Generation wird noch 20 Jahre arbeiten. Wenn ich meine Arbeit genießen und effektiv zusammenarbeiten möchte, muss ich mich auch an andere Generationen anpassen. Andernfalls stehe ich am Ende allein da.
Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz sollten kein Marketing‑Slogan sein, sondern ein echter Game Changer für die Gestaltung der nächsten Generation von Arbeit. Letztlich treibt mich an, ein gemeinsames Verständnis von Arbeit, Leistung und Gesundheit über Generationen hinweg zu schaffen.
Welchen Rat würdest du anderen Führungskräften geben, die starke Teams aufbauen wollen? Was sollten Führungskräfte über den Zusammenhang zwischen ihrem Verhalten und der mentalen Gesundheit ihrer Mitarbeitenden verstehen?
Das Wichtigste ist zu erkennen, dass nicht alle so arbeiten wie man selbst. Vielfalt in Arbeitsstilen, Arbeitsabläufen und Arbeitszeiten ist essenziell. Wenn Führungskräfte akzeptieren, dass ihre Teammitglieder Aufgaben anders angehen können, eröffnet das Chancen für Innovation und neue Perspektiven.
Natürlich bedeutet das auch, kulturelle Unterschiede und gelegentliche Reibungen zu akzeptieren, aber genau in solchen Umgebungen entstehen großartige Ideen und starke Zusammenarbeit. Führungskräfte brauchen Neugier. Wenn man wirklich versucht, andere zu verstehen, lernt man viel und man baut mehr Engagement, Vertrauen und Verbundenheit im Team auf.
Was begeistert dich am meisten an deiner Arbeit bei TELUS Health?
Bevor ich zu TELUS Health kam, war unser Standort in Kiel ein kleines Unternehmen. Das hat Vorteile, aber die Arbeitswelt verändert sich so schnell, dass ein breites Kompetenzspektrum nötig ist, um Schritt zu halten. Durch TELUS Health haben wir Zugang zu vielen Standorten mit unterschiedlichen Stärken gewonnen. Im Moment lernen wir, international zusammenzuarbeiten und unser Wissen zu bündeln, um einen wirklich ganzheitlichen Ansatz für Gesundheit am Arbeitsplatz anzubieten. Das Netzwerk und die Größe des Unternehmens geben uns die Möglichkeit, die Zukunft der Arbeit mitzugestalten.
Ich schätze auch die ganzheitliche Philosophie des Unternehmens in Bezug auf präventives Wohlbefinden: anticipate, empower und respond. Wenn man zum Beispiel privat Schwierigkeiten hat, beeinflusst das den Schlaf, die Konzentration, die Produktivität. Wohlbefinden aus allen Blickwinkeln zu betrachten und nicht nur in isolierten Momenten ist zukunftsorientiert und unglaublich wertvoll.
Und ich liebe den internationalen Aspekt. Wir sind fast wie eine interne Test-Zone für internationale Services, weil wir selbst ständig interkulturell lernen. Das hilft uns, besser zu verstehen, was internationale Kunden brauchen und wo Verwirrung entstehen kann.
Was machst du gerne außerhalb der Arbeit? Wie sorgst du für deine eigene Gesundheit und dein Wohlbefinden?
Ich liebe es, von Menschen umgeben zu sein: Freunde, Familie, den Menschen, die mir nahestehen. Auch wenn ich meine Tage in Online‑Meetings und Telefonaten verbringe, brauche ich echte, persönliche Verbindung. Jetzt, wo der Frühling kommt, freue ich mich besonders auf spontane Treffen oder Zeit im Freien mit Freunden.
Was Gesundheit und Wohlbefinden betrifft: Ich hatte letztes Jahr einen schweren Unfall, der mich wirklich daran erinnert hat, wie wichtig es ist, regelmäßig auf sich selbst zu achten und geduldig zu sein. Die Genesung war lang und oft schmerzhaft, aber jede kleine Verbesserung hat einen Unterschied gemacht. Nachhaltige Veränderung entsteht durch kleine Schritte und Ausdauer. Große Transformationen passieren nicht über Nacht, sie brauchen Zeit und Akzeptanz. Und vielleicht auch Resilienz. Die leise Art, die wächst, wenn das Leben mehr von einem verlangt, als man erwartet hat und man entdeckt, dass man stärker ist, als man dachte.

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